Seminarrauswurf.de ~ für Solidarität und freie Bildung ~ gegen Bildungsklau

Informationen für studentische Vertretungen

Das Wintersemester 2006 hat begonnen und wieder füllen sich die Hochschulflure mit Studierenden, die gerne an den Seminaren teilnehmen wollen, aber nicht dürfen.

Studierende werden aus Veranstaltungen geworfen und gelost, weil es zu wenige TeilnehmerInnenplätze gibt. Oftmals entsteht ein regelrechter Kampf um Seminarplätze, was überforderte DozentInnen und aufgebrachte, mitunter sogar verletzte Studierende zur Folge hat.
Dabei ist es aber wichtig, dass wir Studierende uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die vor die Tür gesetzt werden! Wenn Studierende an eurer Hochschule von einem Seminarrauswurf betroffen sind, dann können sie das auf der Seite www.seminarrauswurf.de melden.

Hochschulen versuchen durch eine effizientere Gestaltung des Anmeldesystems, das geringe Angebot von Veranstaltungen zu kompensieren. Häufig findet eine präventive Selektion über FlexNow! Internetgestützte Anmeldesysteme für Lehrveranstaltungen statt. Diese sollen den gewünschten Erfolg bringen und 'optimal' die vorhandenen Seminarplätze verteilen. Das Ausreizen der vorhandenen Kapazitäten und bloßes 'Problem-Management' scheinen im Vordergrund zu stehen. Dadurch, dass Studierende per E-Mail eine Ab- bzw. Zusage für die jeweiligen Kurse und Seminare erhalten, wird der Anmeldevorgang anonymisiert, was zusätzlich den direkten Austausch mit den DozenInnen erst einmal erschwert.

Studierende bekommen nicht die Kurse, die sie wollen, sondern die Kurse, die ihnen das System zuteilt. Dieser Zustand ist unerträglich und hat mit einem Selbstbestimmten Studium wenig gemein.Hierbei wird nur unzureichend berücksichtigt, dass sich Hochschulen schon seit Jahren jenseits der Kapazitätsgrenze befinden und überwiegend schlecht ausgestattet sind.

Deshalb fordern wir von der öffentlichen Hand, mehr finanzielle Mittel in die Hochschulen zu investieren und die Idee, Studiengebühren würden die Situation der Hochschulen verbessern, zu verwerfen!

Es müssen mehr DozentInnen eingestellt und weitere Seminarräume zur Verfügung gestellt werden, um so die Veranstaltungsdichte zu erhöhen und insbesondere die Lehre zu verbessern. Mit Hilfe der Homepage wollen wir möglichst viele Seminarrauswürfe sammeln, um auftretende Missstände zu dokumentieren. Dabei sind auch die DozentInnen aufgerufen, Studierende zu unterstützen, indem sie den Ausschluss aus diesen Veranstaltungen bestätigen.

Unsere Aktion richtet sich dabei nicht gegen die DozentInnen und auch nicht gegen die Lehrveranstaltungen an sich, sondern soll vordergründig dafür sorgen, dass Studierenden kein Nachteil durch den Rauswurf entsteht. Außerdem wollen wir den Verantwortlichen an den Hochschulen und in den Wissenschaftsministerien zeigen, wo es massive Engpässe gibt und dass und v.a. auch wo die Studienbedingungen verbessert werden müssen.

Die Internetplattform, auf der Seminarrauswürfe gesammelt werden, ist dabei ein geeignetes Druckmittel. Nicht nur in Gießen sind Seminarrauswürfe ein großes Problem. An vielen anderen Hochschulen ist die Situation ähnlich, sodass sich der AStA Gießen und der AStA Marburg dazu entschlossen haben, die Kampagne bundesweit zu vernetzen. Das Interesse, sich am Projekt www.seminarrauswurf.de zu beteiligen und sich auf der Homepage zu verlinken, ist groß. Zusammen mit den Studierendenvertretungen in Berlin, Potsdam, Wuppertal, Darmstadt und Köln haben wir 20 000 Plakate und 200 000 Flyer drucken lassen, um unsere Aktion bundesweit publik zu machen und bundesweit zu verschicken. Ihr solltet die Studien-, Prüfungs- und Kapazitätenordnung euerer Hochschule zur Hand nehmen und prüfen, in wie weit es überhaupt legitim ist, Studierende aus den Seminaren raus zuwerfen und in wie weit die Hochschule gegen ihre eigenen Ordnungen verstößt. Außerdem wird es auf der seminarrauswurf.de Seite einen Download Bereich geben, in dem ihr Rechtsgutachten, Vordrucke für die DozentInnen und Studierenden finden könnt und Musterfälle beschrieben werden.

In vielen Fällen macht es auch Sinn, juristische Wege einzuschlagen.Ihr seht, diese Aktion ist vielfältig nutzbar und wir hoffen, dass ihr euch aktiv an ihr beteiligt.
Wir Studierende dürfen uns die Seminarrauswürfe nicht weiter bieten lassen und müssen etwas dagegen unternehmen! Wir haben ein Recht darauf, Seminare zu besuchen, die unserem Interesse entsprechen und die wir für unser Studium benötigen! Für Solidarität und freie Bildung!

Wie können sich die Studierendenvertretungen verhalten
• Seminarrauswürfe sammeln und auswerten
• Kapazitäten-, Studien-, und Prüfungsordnungen prüfen und feststellen, ob Seminarrauswürfe legitim sind und ggf. von einem Anwalt ein Gutachten erstellen lassen
• In Kontakt mit den Fachschaften treten
-->Anträge im Fachbereichsrat stellen und darauf drängen, weitere Veranstaltungen anzubieten
• Arbeitskreise einrichten und Studierenden, die gemeinsam gegen Rauswürfe vorgehen wollen, einen Raum und Arbeitsmaterial bieten
• Musterklage einreichen
• Anträge im Senat stellen auf Prüfung der Kapazitätenordnung
• Pressearbeit leisten und nach außen kommunizieren

Während Bildungspolitiker und Hochschulpräsidien von Eliteuniversitäten und Exzellenzcluster sprechen, ist die breite Masse der Hochschulen unterfinanziert!
Allein für die Förderung von Eliteuniversitäten wird eine Summe von 1,9 Mrd Euro ausgegeben, für die Förderung von 17 Exzellenzclustern wird jedes Jahr auch noch einmal eine Summe von 110,5 Millionen Euro ausgegeben.
Es ist unverständlich, warum darüber diskutiert wird, wie einige wenige Eliteuniversitäten mit viel Geld gefördert werden können, während eine große Zahl der Hochschulen an finanziellen Engpässen leidet und weit über ihren Kapazitäten fahren muss
Studiengebühren verbessern die Situationen der Hochschulen nicht!
Bildung muss öffentlich finanziert bleiben!
Einige denken, dass die Kampagne Seminarrauswurf.de ein Mittel für die Hochschulen ist, Studiengebühren bestmöglich zu verteilen. Der AStA der JLU Gießen lehnt entschieden die Einführung von Studiengebühren ab! Das hat einerseits sozio-ökonomische Gründe, weil nur noch diejenigen, die es sich leisten können, studierewerden, andererseits gesellschaftspolitische Gründe, weil Bildung nicht mehr für jeden frei zugänglich ist!

Studiengebühren verändern kaum die finanzielle Ausstattung der Hochschulen. Im Gegenteil, die öffentliche Hand wird sich nach der Einführung von Studiengebühren aus der Bildungsfinanzierung mehr und mehr zurückziehen und die länderspezifischen Hochschulpakte auslaufen lassen!
Folglich führen Studiengebühren zu einer Privatisierung von Bildung und machen Bildung von Einzelinteressen abhängig! Bildung muss aber immer ein Allgemeingut sein, über das demokratisch entschieden wird. Bildung darf nicht von Einzelinteressen abhängig sein und darf nicht über den Geldbeutel der Eltern oder von reichen Unternehmen determiniert werden.

Studierende müssen sich dafür einsetzen, dass weitere DozentInnen eingestellt und Betreuungsangebote ausgebaut werden. Bildung darf nicht zu einem Konsumgut verkommen, das mensch nur bekommen kann, wenn mensch sich es leisten kann! Bildung muss für jeden zu jeder Zeit frei zugänglich sein!

Wir wollen mit der Kampagne aufzeigen, dass seit Jahren/Jahrzehnten die Hochschulen unterfinanziert sind und manche Fachbereiche weit über 100% Kapazitätenauslastung laufen. Nur durch höhere Investitionen der öffentlichen Hand kann diese Situation verbessert werden.

Oftmals sind Studierende gezwungen, Seminare zu besuchen, in die sie zufällig reingelost werden! Folglich entscheidet nicht das Interesse, sondern das Los über die Belegung eines Seminars, was mit einem Selbstbestimmten Studium wenig gemein hat. Auch Fächerübergreifendes Lernen wird damit erschwert und der Blick außerhalb des jeweiligen Studiengangs ist kaum noch möglich.
Wir setzen uns dafür ein, dass Studierenden kein Nachteil durch den Seminarrauswurf entsteht. Es kann durch die ungewollte Studienverzögerung Probleme beim Bafög geben oder Studierende rutschen in Langzeitstudiengebühren.

Wir wollen mit der Kampagne Druck auf die Fachbereiche, Präsidien und die Wissenschaftsministerien aufbauen und sie dazu bewegen mehr finanzielle Mittel für Bildung bereit zu stellen, um weitere DozentInnen einzustellen.